1. Akt

Am Himmel

Dies ist die Geschichte vom Sonnenkind Glöckchen, das versehentlich auf die Erde purzelte.

Glöckchen ist das kleinste aller Sonnenkinder und zum Leid Mutter Sonnes auch das Neugierigste. Es möchte so gerne einmal Vater Mond mit seinen Mondkindern und die Sterne kennen lernen, was zuvor noch keinem Sonnenkind gelungen ist. Glöckchens Neugier ist sogar so groß, dass es einmal - wie auch schon einige seiner Geschwister - auf die Erde hinunter möchte.

Eines Abends lauscht Glöckchen bis tief in die Nach hinein heimlich den aufregenden Geschichten seiner großen Geschwister. Danach ist es so müde, dass es den ganzen nächsten Tag verschläft. Als es endlich erwacht, ist die Sonne schon untergegangen und die Nacht ist hereingebrochen.

Endlich scheint sich Glöckchens Wunsch zu erfüllen, denn es trifft auf Vater Mond und die Mondkinder. Glöckchen bettelt darum, mit den Mondkindern spielen zu dürfen. Da Vater Mond von dem unerwarteten Besuch so überrascht ist, gibt er dem Drängen des kleinen Sonnenstrahls nach. Er erlaubt Glöckchen, fünf Minuten mit den Mondkindern über den Himmel zu wandern, wenn es sich danach schleunigst in sein Bettchen legt. Der kleine Sonnenstrahl stimmt zu und spiel fröhlich mit den Mondkindern.

Es erscheinen einige Wolken am Nachthimmel und es beginnt, leicht zu regnen. Die Regenbuben entdecken Glöckchen unter den Mondkindern und trauen ihren Augen nicht, denn sie wissen schon lange um Glöckchens größten Traum. Dem kleinen Sonnenstrahl ist die Freude im Gesicht anzusehen, denn es strahlt noch heller als sonst.

Als die Sterne hell am Himmel leuchten, hat Vater Mond den kleinen Sonnenstrahl bereits vergessen. So geschieht es, dass Glöckchen die ganze Nacht am Himmel verbringt. Es tollt ausgelassen mit den Regenbuben über den Himmel und denkt gar nicht mehr an das Versprechen, das es Vater Mond gegeben hat.

Den Wolken wird ihre Last allmählich zu schwer und sie beginnen damit, ihre Kleider auszuschüttlen. In dem Durcheinander bemerkt niemand, dass der kleine Sonnenstrahl in wilder Fahrt auf die Erde purzelt. Erst als Mutter Sonne all ihren Sonnenstrahlen eine gute Nacht wünscht, findet sie mit großem Entsetzen das leere Bettchen von Glöckchen vor. Sie ahnt sofort, wo ihr kleinstes Kind geblieben sein könnte und sucht Vater Mond auf. Dieser muß eingestehen, dass er dem Sonnenstrahl das Spiel mit seinen Kindern am nächtlichen Himmel erlaubt hat.
Doch auch mit Hilfe der Wolken bleibt die Suche erfolglos und alle hegen die gleiche Befürchtung: Glöckchen ist auf die Erde gepurzelt. Da Vater Mond sich die Schuld daran gibt, ruft er das Sternschnuppchen zu sich. Er schickt es auf die Erde, um Glöckchen zu finden und es wohlbehalten nach Hause zu bringen.